„Bitte liebe mich“: Wenn Liebe kaputt macht

Verliebt zu sein, ist unglaublich schön. Die ersten Schmetterlinge im Bauch, die Nervosität vor jedem Date und das Grinsen im Gesicht, während man die Textnachrichten seines Schwarms liest, sind unbezahlbare Momente. Sich zu verlieben, tut gut und lässt uns wie auf einer Achterbahnfahrt einen konstanten Rausch fühlen. Doch was passiert, wenn nur ein Partner diesen besagten Rausch wahrnimmt? Was passiert, wenn wir anfangen nach Liebe zu betteln?

Denn nach der Honeymoon-Phase stellt sich oft der Alltag ein. Die einst romantischen Gesten sind vergessen und die „ich will dich so gerne wiedersehen„-Nachrichten werden durch „vielleicht“ oder „wie du willst“ ersetzt. Eine gewisse Gleichgültigkeit macht sich breit und man beginnt zu zweifeln. Zu allererst natürlich an sich selbst. Die Zeit wird ab jetzt für Umbauarbeiten in der Beziehung investiert. Die fehlende Aufmerksamkeit belastet einen immer mehr. Man gibt nicht auf und denkt sich: „Ich möchte gesehen werden, ich bin hier, nimm mich wahr!“

Abhängigkeit ist keine Liebe

Wir streifen uns eine imaginäre „Liebes-Warnweste“ über und winken wie wild mit den Armen in der Luft. Wir tun alles, damit wir ansatzweise in das Leben des Gegenübers involviert werden: Sei es eine kleine Geste, neue Outfits oder Pläne für Dinge, die man vorher noch nicht erlebt hat. Der Partner zeigt sich von so viel Initiative oft genervt. Wir verstummen innerlich und verhalten uns ruhig, in der Hoffnung, dass es sich von selbst regelt. Dass das alles nur eine Phase ist und die Ignoranz und Kaltherzigkeit nicht so gemeint sind.

Das Problem ist, dass wir sehr oft diese Dinge in Kauf nehmen, um unseren Partner zu retten. Wir fangen an ein gewisses Verhalten zu akzeptieren, welches inakzeptabel ist. Wir relativieren es, indem wir es auf unser eigenes schließen.

„Naja, vielleicht hätte ich nicht fragen sollen, wann wir uns wiedersehen. Vielleicht ist es falsch zu sagen, dass ich ihn/sie vermisse. Ich sollte das lieber für mich behalten.“

Und genau an diesem Punkt sollte uns allen klar werden, dass es sich hier nicht um Liebe, sondern um Abhängigkeit handelt. Wie beim Rauchen oder beim dritten Schluck Alkohol: Es schmeckt irgendwann gut, obwohl wir wissen, dass wir davon schlecht riechen oder kotzend über der Kloschüssel hängen.

Der verzweifelte Versuch sich an jedem Fünkchen Liebe des Gegenübers festzuhalten, raubt einem selbst die letzte Kraft. Doch das Allerschlimmste ist die Tatsache, dass wir aufgrund dieser Situation nicht mehr daran glauben, dass wir Liebe verdienen. Wir gehen davon aus, dass wir der Grund für die Missgunst des Partners sind.

Anker ohne Halt

Die Sache ist doch die: Irgendwann in unserem Leben suchen wir alle nach etwas Halt und Geborgenheit. Einen Anker, der uns erdet, damit wir nicht im Fluss unseres Lebens davon schwimmen. Das Problem dabei ist, dass wir meistens in falschen Personen diesen Anker sehen.

In Menschen, die uns an einer Stelle festnageln und nicht mehr gehen lassen. Anker werden nach der Zeit auch angehoben, um an einer anderen Stelle wieder anzusetzen. Wir selber sind das Schiff, das weiter will, aber nicht kann – zumindest denken wir das. Unser Anker darf nicht zu schwer für uns sein. Wenn wir weiter wollen, dann holen wir entweder den Anker wieder an Board oder lösen seine Kette und lassen ihn am Meeresgrund.

Der Sinn dieses Ankers ist es nicht uns weiter in die Tiefen der See zu ziehen. Genau so läuft das auch mit Beziehungen: Zieht sie uns runter ist sie nicht für uns gemacht, denn wir verlieben uns viel zu oft in Menschen, die wir zwar wollen, aber nicht brauchen.

Ohne geht’s nicht

Der Moment an dem wir aufhören nach Liebe zu betteln, ist der Zeitpunkt an dem wir realisieren, dass wir alles was wir brauchen wir selbst sind. Niemand möchte eine Person an seiner Seite, die alles kritisiert was man tut oder einfach ignoriert. Und JA, wir können wirklich gut ohne solche Partner überleben.

Am Ende des Tages bleibe immer noch Ich übrig, deshalb sollte Ich meine erste große Liebe sein. Für immer.

Lasst euch nicht dazu verführen jemanden so sehr anzuhimmeln, sodass ihr nicht mehr darauf achtet euch selbst zu lieben. Loslassen tut weh und kostet so viel Kraft, aber wenn man es tatsächlich geschafft hat, dann ist man meist befreiter als zuerst angenommen.

Jeder von uns verdient es geliebt zu werden! Doch wenn man darum betteln muss, dann schadet das einem viel mehr, anstatt einfach Single zu bleiben und sich selbst Liebe zu geben.

2 Kommentare zu „„Bitte liebe mich“: Wenn Liebe kaputt macht

  1. Ein schöner Text. Wir sollten unser Lebens-Schiff nicht dazu zwingen, an nur einer Stelle vor Anker zu gehen. Dafür bietet uns der Fluss des Lebens zu viele Erfahrungsmöglichkeiten. Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass es im Leben nicht um Ziele geht (Anker), sondern um den Weg (Fluss). Auf dem Weg unserer seelischen Entwicklung, sollten wir nur bei Menschen / Partnern vor Anker, mit denen gemeinsamer Fortschritt möglich und spürbar ist.

    Aber wie es im Leben nunmal ist: diese Erfahrung muss jeder für sich selbst machen. Davon zu lesen, hilft selten… 🙂

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  2. Lieber Timo,

    vielen Dank für dein Kommentar. Gebe dir da absolut recht! Solche Dinge muss man leider selber durchmachen, um es danach besser verstehen zu können.
    Bin ja der festen Überzeugung, dass alles aus einem bestimmten Grund passiert. 🙂

    Lg. S.!

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