Mein Leben als Teilzeit-Atheistin

Reden wir doch mal über Religionen. Nicht, weil in letzter Zeit viel zu wenig darüber geredet wurde, sondern weil es mich zum Teil mega aufregt. Dieses „ich hab diesen und jenen Stempel auf der Stirn, weil ich dieses und jenes glaube“-Getue geht mir so richtig auf meinen imaginären Sack. Okay halt, er ist nicht imaginär – hab doch manchmal ’nen größeren Sack als manch andere. (Sorry not sorry for bashing).

Der eigentliche Grund warum ich das hier schreibe ist, dass mich Leute aufgrund meines Glaubensbekenntnisses bewerten. Leute, die zuerst mit mir abhängen, Witze machen, über ihr Liebesleben quatschen und mal mit ’nem Spritzer mit mir anstoßen. Das sind diese Leute, die dann den nackten Horror in ihren Augen haben, wenn sie herausfinden, dass ich eigentlich Muslima bin.

There I said it.

Ich hab im Glaubensbekenntnis beinhart Islam drinstehen. Krasser Scheiß, oder?

Wenn sich ihr Blick mit der totalen Leere füllt und du in ihren Pupillen ein ganz kleines „HILFE HC STRACHE“ erkennst. Dann geht der Spaß erst richtig los. Nicht, weil sie mir dann islamophobe Parolen an den Kopf werfen, sondern plötzlich Abstand nehmen. Sie betrachten mein Spritzerglas, starren meine Haare an und stammeln: „Aber, aber .. du siehst doch gar nicht so aus! ..“

Ja, ich seh‘ eben so aus wie jeder andere Mensch auch. Aber was die meisten Menschen vergessen ist, dass es auch viele Muslimas gibt, die kein Kopftuch tragen, perfekt Deutsch sprechen und sehr gebildet sind. Ich hab‘ oftmals dieses Gefühl, dass wir mittlerweile einen Prototyp für diese Glaubensbekenntnis erschaffen haben. Besonders in Bezug auf die weiblichen Exemplare.

Und nun kommt meine Ansicht dazu: Ich bin nicht sehr gläubig, aber ich bin was ich bin. Das inkludiert eben auch die Religion meiner Familie und die Bräuche mit denen ich aufgewachsen bin.

Deshalb ist es überaus wichtig, dass ihr mich nicht als „cool“ oder „total integriert“ bezeichnet, weil ich gern Alkohol trinke und fortgeh‘. Redet nicht abwertend über andere Menschen, die sehr religiös sind, nur weil ich es nicht bin. Fragt mich nicht, ob ich nicht auch finde, dass das Kopftuch ein Symbol der Unterdrückung ist. Das ist ein absolutes No-Go. 

Es ist in erster Linie ein religiöses Symbol und steht für viel mehr als für das „ruhig halten der schwachen Frau“. Sehr viele Mädels tragen es, weil sie es für sich selbst bestimmen, weil sie sich damit wohl fühlen und stolz darauf sind. Sie sind modern, sie sind stark und alles andere als eingeschränkt. Der Aspekt des Zwangs ist hier oftmals auf den Bildungsstand zurückzuführen. Ergibt doch Sinn, oder? So ist es auch mit der Toleranz, je gebildeter ich bin, desto besser kann ich Dinge oder Situationen tolerieren – auch, wenn ich mega dagegen bin.

Nur weil man etwas toleriert, bedeutet dies nicht, dass man es akzeptiert!

Ich zieh‘ immer wieder meinen Hut vor Personen, die ihre Kraft und Lebensfreude aus ihrem Glauben zu Gott schöpfen. Ich find‘ es schön, wenn jemand glücklich ist, weil er mit sich selbst im Reinen ist und nach Regeln lebt, die seiner Meinung nach genau richtig sind. Ich kann dies eben nicht.

Ich möchte mein Leben nicht nach einem Buch richten, welches vor hunderttausend Jahren geschrieben wurde und ich denke ich bin mit dieser Einstellung nicht alleine. Denn in jeder Religion gibt es Menschen, die zwar spirituell sind, jedoch nicht religiös.

Ich glaube an Karma, ich glaube daran, dass alles aus einem bestimmten Grund passiert, aber am stärksten bin ich davon überzeugt, dass wir alle gleich sind.

Denn seien wir uns doch mal ehrlich: Im Prinzip glauben wir doch eh alles dasselbe. Nur in anderer Ausführung und Verpackung. 

 

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